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Eine Bergpredigt der besonderen Art

08.09.2018

Anselm GrünGipfelerlebnisse und Talsohlen, beschwerliche Aufstiege und noch schwierigere Abstiege. Darum ging es gestern Abend, beim 8. Vortrag von Pater Anselm Grün in der Stadthalle Bitburg.

Der Benediktinterpater Anselm Grün referierte zum 8. mal beim Eifel-Literatur-Festival (kurz: ELF). In der Stadthalle Bitburg hielt er gestern einen Vortrag. „Von Gipfeln und Tälern des Lebens“ lautete das Thema, das über 800 Besucher anzog. Sie kamen aus ganz Deutschland angereist und 50 von ihnen extra aus Belgien, um die Ohren zu spitzen und sich vom Pater inspirieren zu lassen.

„Vor einem Berg fühlt man sich machtlos und hilflos, die Wege aber führen zum Gipfel, so lange man nur weitergeht“, sagt Grün. Er erhebt die Wanderung, Berge und Täler zu einem Gleichnis des Lebens. Sie seien ein Sinnbild dafür sich neuen Herausforderungen zu stellen und, viel wichtiger, daran zu wachsen, seine Kräfte zu erproben und neue Ziele in den Blick zu nehmen.

Von Gipfeln und Tälern des LebensIm Saal herrscht gespannte Stille und die Zuhörer hängen dem Pater an den Lippen. Vom Nimbus der Demut umflort, steht er, in schlichter schwarzer Kutte gekleidet, in dem ausverkauften Saal und referiert frei; die Augen zum Publikum gewandt. Grün weiß seinen Zuhörern das Gefühl zu vermitteln, dass es im Augenblick nichts Wichtigeres gibt, als sie. Viele Menschen fühlen sich direkt angesprochen. „Was er sagt geht mir durch Herz und Nieren“, sagt eine Frau zu ihrer Nachbarin nach dem Vortrag.

„Vielleicht kennt man den Weg zum Gipfel noch nicht“, führt Grün aus, aber man müsse sich für einen Weg entscheiden und den dann auch gehen. Manchmal komme die Frage auf, wieso man sich diese beschwerliche Reise angetan habe. Dabei steht das Weitergehen als Bild fürs Leben. „Auch die schwierigen Wege müssen gegangen werden, wenn man sein Ziel erreichen möchte. Gegebenenfalls gehört es auch dazu irgendwann zu merken, dass es nicht mehr weitergeht.“ Manchmal müsse man umkehren, wenn man keinen Weg gefunden hat.

Wer sein Ziel erreicht hat, der kann das Genießen. Ein Gipfel verspricht Erlebnisse, Erfahrungen, Faszination und Befriedigung, klar. Aber ebenso verspricht er auch etwas anderes: einen schwierigen Abstieg ins Tal. „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal“, so beschreibt es der berühmte Psalm 23, „Der gute Hirte“.

Als Theologe und Gottesmann ist Grün davon überzeugt, wohin du auch gehst, oder im Leben stehst, du musst dich nie alleine fühlen, weil Gott bei dir ist. Allerdings muss man auch die Kraft besitzen die schwierigen Abschnitte des Lebens zu meistern.

Vom Benediktinerpater Anselm Grün darf man sich keine simple Anleitung zur Kunst des Lebens erwarten, tut man es doch, wird man enttäuscht. Viel mehr möchte er mit seinen Vorträgen und Büchern zeigen, dass alle Versuche seinem Leben einen Sinn zu geben, fehlschlagen müssen, sofern man nicht an seiner Persönlichkeit arbeitet und sie entwickelt.

Ist das Leben gewissermaßen eine Kunst? Wenn es das ist, dann wird von dem, der der diese Kunst beherrschen will, verlangt, dass er etwas über diese Kunst weiß. Grün zeigt in seinen Vorträgen stets, dass es überhaupt keine Erfüllung geben kann, ohne wahre Demut, ohne Mut, Glaube und Disziplin. Und er zeigt auch, dass man keine Mühe scheuen soll. So, wie bei einer Bergwanderung.

Clemens Sarholz

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