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Einführungsrede zu Ranga Yogeshwar am 19. Oktober 2018 in Bitburg

Dr. Josef ZierdenMeine sehr geehrten Damen und Herren,

vor wenigen Tagen ist die Frankfurter Buchmesse, die größte Buchmesse der Welt, zu Ende gegangen.

Mehr als 7.100 Aussteller aus rund 100 Ländern präsentierten über 400.000 Buchtitel, Landkarten, Manuskripte und Grafiken.

Mehr als 285.000 Besucher verzeichnete die Messebilanz. 

Es war eine Buchmesse im Zeichen der Krise: Die Zahl der Leser schrumpft - rund 6 Mio. Buchkäufer sind in den vergangenen 6 Jahren verloren gegangen. Das Buch scheint seine Rolle als „das“ Leitmedium zu verlieren gegenüber Fernsehen, Internet und Streamingdiensten. Umso mehr wurde das Glück des Lesens beschworen: das Glück, sich in einem Buch zu verlieren, mit ihm und in ihm zu leben für die Zeit der Lektüre. Auch über die Auswirkung der Digitalisierung auf das Lesen wurde ausgiebig diskutiert, über das Lesen auf Bildschirmen und das Lesen auf Papier.

Was da wirklich auf die Leser von morgen zukommt, das habe ich in diesen Tagen allerdings nirgends so alarmierend klar gelesen wie in dem Buch „Nächste Ausfahrt Zukunft“ von Ranga Yogeshwar.

Da geht es um elektronische Reader mit eye-tracking-Systemen. Da verfolgt die winzige Frontkamera über dem Bildschirm sämtliche Augenbewegungen, Wort für Wort. Blättert automatisch um am Ende der gelesenen Seite. Protokolliert genau, was und wie man liest: die Mimik, die Veränderung der Pupillen und damit noch die feinsten emotionalen Reaktionen auf Lesepassagen. Kurz und problematisch: Man wähnt sich frei und unbeobachtet beim Lesen - und wird doch systematisch ausgelesen. Man produziert Datenströme, die wie eine Lupe den Blick freigeben in das Innerste des Lesers. Pointiert ausgedrückt mit einer Kapitelüberschrift von Ranga Yogeshwar: „Das Buch liest Sie!“

Produziert gigantische Datenwolken, schafft den gläsernen Leser.

„Nächste Ausfahrt Zukunft“ heißt das jüngste Buch des fernsehbekannten Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar - „Nächste Ausfahrt Zukunft“ heißt sein Vortrag des heutigen Festivalabends.

Es ist einer Welt im Wandel auf der Spur, die sich in nie gekanntem Tempo und in nie gekannter Tiefe verändert. Einer digitalen Revolution forscht er nach, an deren Ende Maschinen den Menschen einmal besser verstehen könnten als dieser sich selber.

Von der „Turbomoderne“ ist die Rede, von einer „epochalen Scharnierphase", von disruptiven Innovationen, die Altvertrautes und Langbewährtes in Rekordkürze auf den Müllhaufen der Geschichte werfen.

Was Yogeshwars Blick in die Welt von morgen so interessant und anschaulich und spannend macht: das sind reportagehaft-lebendige Einblicke in die Zukunftslabore dieser Welt - vom Forschungslabor für künstliche Intelligenz in Schweden über ein Klonlabor in Südkorea bis hin zur Fahrt im Prototyp eines autonomen Fahrzeugs auf der Autobahn A 7 von Hannover nach Hildesheim.

Und es sind die privaten Ausgangsbeispiele der vielen kleinen und großen Kapitel: die wieder einmal defekte Kaffeemaschine mit Mikroprozessor im Hause Yogeshwar; die Kindheitserinnerung an versuchte Ferngespräche von Luxemburg aus mit der Großmutter in Indien und an Briefe, die erst nach wochenlanger Reise ihr Ziel erreichten.

Der hier schreibt, der will uns - angesichts so vielfältiger diffuser Zukunftsängste - Mut machen für die Zukunft in einer immer technisierteren und globaleren Welt.

Er will sensibilisieren für die Gefahren, aber auch sensibilisieren für die großartigen Chancen.

Er will die Leser ermutigen, zu Gestaltern dieser neuen Welt zu werden, die man nicht einer Handvoll milliardenschwerer Internetprofiteure überlassen sollte.

Dem Traum vom künstlich geschaffenen ewigen Leben stellt er den bewussten Genuss der Endlichkeit gegenüber. Und dem Hype um virtuelle Welten zieht er reale Schönheiten vor, die kein Algorithmus je erfassen könne. Mit dem beständigen Bekenntnis, zitiert nach Pablo Picasso, offen zu sein für neue Erkenntnisse und neue Möglichkeiten einer Welt von morgen.

Herzlich willkommen beim 13. Eifel-Literatur-Festival 2018, herzlich willkommen in der Stadthalle Bitburg:

der luxemburgische Physiker, Wissenschaftsjournalist, Moderator und Autor, einer der bekanntesten und erfolgreichsten Wissenschaftsvermittler unserer Tage: Ranga Yogeshwar.