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Das Böse zum Klingen bringen – Sebastian Fitzek begeistert beim Eifel-Literatur-Festival (Nachbericht lang)

25.11.2021

Über 1300 Besucher und einige Hundert per Livestream Zugeschaltete erlebten am vorletzten Abend des 15. Eifel-Literatur-Festivals den Auftritt von Thriller Star Sebastian Fitzek im Eventum Wittlich.

Sebastian FitzekWie Dr. Josef Zierden in seiner Begrüßung erklärte, hatte dieser mit Spannung erwartete Leseabend mehrfach verschoben werden müssen. Nicht der einzige Wermutstropfen, den die Corona-Pandemie beim Festival hinterließ: Die Gesamt-Besucherzahl des Festivals musste der Schutzmaßnahmen wegen um zwei Drittel reduziert werden. Ohne Sponsoring wären weder das Festival insgesamt noch der Leseabend mit Sebastian Fitzek realisierbar gewesen. Umso größer war die Freude bei allen Beteiligten, das Eventum Wittlich unter Einhaltung der 2G-Regel an diesem Abend so gut gefüllt zu sehen.

Entsprechend frenetisch fiel der Applaus aus, mit dem Deutschlands umsatzstärkster Autor und Thriller-Superstar Sebastian Fitzek begrüßt wurde. Und Fitzek, der in diesem Jahr noch einmal Vater geworden ist und seinen 50. Geburtstag gefeiert hat, grüßte ebenso herzlich zurück: „Ich freue mich, dass gerade diese Lesung nicht verschoben wurde, denn auf das Publikum des Eifel-Literatur-Festivals ist Verlass. Mord und Totschlag bringen uns zusammen!“

Sebastian FitzekDann zelebriert er das, wofür ihn das Publikum liebt, eine äußerst kurzweilige One-Man-Show, für die er an diesem Abend weiter nichts braucht, als seine Erfahrungen, einen Computer und ein Buch. Das Buch ist sein Neuestes, es ist im Oktober erschienen, trägt den Titel Playlist und begründet ein neues Genre. Bevor Fitzek aber das Geheimnis lüftet, was es damit auf sich hat, stellt er sich und seine Arbeit vor, erzählt, wie er zu seinen Inspirationen kommt. Obwohl er in der Corona-Zeit recht produktiv war, mit dem Band „Der letzte erste Tag“ einen humorvollen Kontrapunkt zur Krise setzte und „Playlist“ schrieb, fehlte ihm doch ein entscheidendes Moment: „Die zufälligen inspirierenden Begegnungen waren abgeschnitten. Es war kein gutes Klima für Kreativität. Ich liebe gute Geschichten und suche danach. Der Impuls ist der allererste Schritt zum Buch. Aber man muss vorher was erlebt haben, zumindest in ein Taxi steigen in Berlin.“ Eine Taxifahrt als Auslöser für einen Thriller? „Ich habe eine krude Sicht auf alltägliche Dinge“, bekennt Fitzek und lässt dann Anekdoten sprudeln, die das eindrucksvoll belegen. Sein erster Erfolg „Die Therapie“ zum Beispiel beruht auf einer Fantasie, die er beim Warten auf seine Freundin in einer Arztpraxis gesponnen hat: „Was, wenn sie nicht mehr herauskommt?“ Diese krude Sichtweise spiele ihm zuweilen selbst Streiche, erzählt er und berichtet, wie er, ganz allein in seinem Büro, plötzlich Geräusche gehört, einen Schrank beiseite gerückt und ein Loch in der Wand entdeckt habe, aus dem eine Hand ragte…Der Grusel sei perfekt gewesen. Das Ereignis war allerdings harmlos – die Hand lebte und gehörte einem Elektriker, der Kabel verlegte. Der Blick für Absurdes und in Abgründe, gepaart mit Fantasie bildet den Grundstoff von Fitzeks Erfolg: „Meine Albträume kriegen Sie, Sie zahlen sogar dafür“.

Sebastian FitzekFür sein neues Werk Playlist hat er aus einem schon in der Kinderzeit entwickelten Interesse am Phänomen „Entführung“ und einer Leidenschaft für das Musik-Business geschöpft, mit dem er durch seine frühere Arbeit bei einer Radiostation Berührung gehabt hatte. Erst habe ihn die Idee von Soundtracks oder zu Songs verdichteten Kurzgeschichten bewegt. Dann sei im Austausch mit seinem Produzenten der Einfall entstanden, Musik zum elementaren Bestandteil eines Romans zu machen. Er sprach mit Musikerinnen und Musikern, die er kennt, Rea Garvey, Silbermond, Joris, Namika und vielen anderen, und sie steuerten Songs bei, die in der Handlung des Buches eine zentrale Rolle spielen. Wie, das erfahren die Anwesenden in mehreren von knisternder Spannung begleiteten Lesepassagen, die Fitzek vom Computer aus mit Musik hinterlegt: Das 15jährige Mädchen Feline wird auf dem Schulweg entführt und findet sich mit einer Verrückten eingesperrt in einem Verlies wieder, aus dem sie nicht entkommen kann. Doch sie besitzt noch eine MP3 Player-Uhr, die ihr heimlich geschenkt worden ist. Darauf war eine Playlist von 200 Songs aufgespielt, die Feline so verändert, dass nur noch 15 Songs übrigbleiben. Damit übermittelt sie Ermittler Alexander Zorbach – einer Figur aus früheren Büchern Fitzeks - eine Botschaft, um ihr auf die Spur zu kommen. Zorbach gerät dabei selbst in höchste Gefahr. Während seiner Lesung spielt Fitzek die Playlist an und inspiriert das Publikum damit, selbst auf die Spur des Rätsels zu kommen, das sie birgt. Viele Lieder handeln von Gefängnis, von Augen und vom Sehen. Doch eindeutig ist nichts: „Jeder interpretiert Lieder anders, so geht es auch den Ermittelnden“, erläutert Fitzek. Hochspannung durch Musik also – ein ganz neues Genre hat Fitzek hier geschaffen. Er betont aber: „Das Buch funktioniert auch ohne die CD mit den 15 Songs zu hören. Allerdings wird man das Buch nach der Musik mit anderen Augen lesen und die Musik nach dem Buch mit anderen Ohren hören“. Seine Lesung endet, wo es am spannendsten wird. Bleibt für diejenigen, die nun neugierig geworden sind und das Buch noch nicht haben, nur die Hoffnung, dass nicht schon der ganze Büchertisch im Eventum vergriffen ist. Allein 150 signierte Exemplare von Playlist wurden schon vor der Lesung verkauft. Denn zur legendären, sich über mehrere Stunden ziehenden Signierschlange wird es heute nicht kommen. Der Autor ist gesundheitlich angeschlagen. Doch das trübt die Gunst des Publikums nicht. Mit donnerndem Applaus verabschiedet es den Mann, der als begnadeter Erzähler eine mitreißende One-Man-Show abgeliefert hat.

Anke Emmerling