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Autorin der Woche: „Miss Tagesthemen“ Linda Zervakis - 2,- Euro ermäßigt

06.09.2018

Linda ZervakisUnd wieder kann gespart werden beim Ticket-Vorverkauf: In dieser Woche von Montag, 3.9., bis Sonntag, 9.9., bei „Miss Tagesthemen“ Linda Zervakis.

Jedes Ticket um 2,- Euro günstiger bei Eingabe des Codeworts „zervakis“ (klein geschrieben). Worum es geht: Vom Kiosk in die Tagesschau, davon erzählt Linda Zervakis in ihrer Autobiographie „Königin der bunten Tüte“. Im Kiosk ihrer griechischen Eltern stand bis zu ihrem 30. Lebensjahr. Hier trafen sich alle: vom Spitzenpolitiker im Maßanzug bis zum arbeitslosen Alkoholiker. Unglaublich viel hat sie erlebt.

Viel unterhaltsamer Stoff für die Festivalveranstaltung mit Linda Zervakis am Freitag, 28. September, im Forum Daun. Tickets gibt es online unter www.eifel-literatur-festival.de und in 700 Vorverkaufsstellen von Ticket Regional.

Ihr aktuelles Buch: Königin der bunten Tüte

Linda Zervakis berichtet heute als Tagesschau-Sprecherin im Fernsehen über die Großen der Welt. Ihre Kindheit jedoch war geprägt von einem Milieu der „Kleinen Leute“. Als Tochter griechischer Einwanderer wuchs sie in Hamburg auf und musste in einem Kiosk mit anpacken, den ihr Vater im Stadteil Harburg betrieb. Ihre Erfahrungen hat sie im Buch „Königin der bunten Tüte“ unterhaltsam verewigt.

Eins der Kapitel aus Linda Zervakis´ Buch trägt den Titel „Unser täglich Brot gib uns heute“. Und tatsächlich muss ihre Kindheit oft genug ein Kampf um das tägliche Auskommen gewesen sein. Ihre Eltern waren in den 1960er Jahren der Perspektivlosigkeit in Griechenland entflohen, um in Deutschland ihr Glück als „Gastarbeiter“ zu suchen. Vater Christos und Mutter Chrissoula, die eigentlich von einem Studium träumte, landeten in Hamburg, verdingten sich an Fließbändern von Fahrrad-, Füllfederhalter- oder Schuhfabriken und gründeten eine Familie. 1975 kam Linda Zervakis als mittleres von drei Geschwistern zur Welt. Als der Vater arbeitslos wurde und der soziale Abstieg drohte, bot sich der Familie nur die eine Chance, den Kiosk eines Bekannten in Harburg zu übernehmen. Alle mussten mit anpacken, Linda Zervakis selbst half noch bis fast zu ihrem 30. Geburtstag mit, ein Sortiment an Mann und Frau zu bringen, das keineswegs nur aus „bunten Tüten“ bestand. Verkaufsschlager im Kiosk waren billiger Weinbrand oder Schnaps, den manche Zeitgenossen schon am frühen Morgen orderten. Zervakis schildert ihre Erfahrungen im Kiez-Milieu mit viel Plastizität und entwirft ein schillerndes Bild vom „Backstage-Bereich“ der deutschen Gesellschaft. Dem Leser begegnen Typen wie Ex-Türsteher Johnny, der aus Eifersucht einen Zuhälter erstochen und dafür eine Haftstrafe verbüßt hatte. Der Ex-Knacki, der sich um seine Resozialisierung bemüht, ist nur einer von vielen im Viertel, die das Herz am richtigen Fleck tragen und ihren grauen Daseinsbedingungen mit Wärme, Solidarität und nicht zuletzt mit Humor trotzen. Humor zeichnet auch Linda Zervakis Erzählstil aus. Mit liebevollem Augenzwinkern porträtiert sie beispielsweise die Eigenwilligkeit ihrer Mutter, die sich nie ganz mit der deutschen Sprache anfreunden konnte und daher höchst kreative Wortschöpfungen erfand. Der Tochter ließ Chrissoula Zervakis hingegen eine gute Schulbildung angedeihen. Linda besuchte ein Gymnasium und darüber hinaus eine griechische Schule. Als gute Schülerin übersprang sie sogar eine Klasse. Doch die Schulzeit gestaltete sich trotzdem nicht rosig für sie. Mitschüler nannten sie „Zaziki“ und verprügelten sie sogar. Mit dem eisernen Willen, nicht ihr ganzes Leben im Kiez-Umfeld verbringen zu wollen, gelang es Linda Zervakis schließlich, einen Karriereweg einzuschlagen, der nach Berufsjahren als Texterin in einer Werbeagentur sowie als Reporterin und Moderatorin beim Sender NDR in einer Besonderheit gipfelte: 2013 wurde sie als erste Sprecherin mit ausländischen Wurzeln für die Tagesschau verpflichtet.

Linda Zervakis Geschichte ist besonders vor dem Hintergrund anhaltender Debatten über die Integration von Zuwanderern interessant. Mit ihrem Buch hat sie einen Beitrag zum Nachdenken über unseren Umgang mit Menschen aus anderen Herkunftsländern, aber auch über deren eigene Anpassungskonflikte geliefert. Und sie hat untermauert, dass Bildung ein entscheidender Schlüssel zur gesellschaftlichen Integration ist.

Anke Emmerling

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