Von April bis Oktober 2016

Vier Fragen an Festivalgast Horst Evers

12.03.2016

1. Wie kamen Sie darauf, die Eröffnung des BER zum Ausgangspunkt ihres neuen Romans zu machen?

Gemessen am Entwickeln der Hauptgeschichte kam der BER erst sehr spät dazu. Ich wusste schon lange, daß zu Beginn ein riesiges Raumschiff auf die Erde fallen sollte. Nur wohin es fallen würde, war auch mir selbst ein Rätsel. Ich hatte nicht erwartet, daß der BER bei Erscheinen des Buches noch immer nicht eröffnet sein könnte. Als allerdings klar war, daß sich die Eröffnung erheblich zieht, fand ich es eine charmante Idee, wenn er nur 7 Sekunden nach seiner Eröffnung gleich wieder kaputt gemacht wird.

2. Gojko Schulz ist die Hauptperson, ein 36 jähriger Bummelstudent, der seinen Alltag nicht auf die Reihe bekommt. Was reizt Sie an solchen „Helden“?

Geschichten von Gewinnern finde ich uninteressant. Zumindest für mich. Solche Geschichte werden nun wahrlich schon reichlich von anderen erzählt. Das wäre mir zu konventionell. Der Held, der am schnellsten denkt, am besten schiesst, quasi unbesiegtbar im Kampf und unwiderstehlich in der Liebe ist, ist eine Märchenfigur. Das bin nicht ich und ich kenne auch niemanden, der so ist. Höchstens vielleicht ein paar, die sich manchmal vorstellen, sie könnten so sein. Aber auch die täuschen sich. Ich glaube allerdings aufrichtig, daß jeder Mensch die Veranlagung zum Helden in sich trägt und diese auch gerne ausleben würde, wenn sich nur mal die Gelegenheit ergäbe. Goiko gerät ohne jeden eigenen Antrieb oder Ehrgeiz in diese Situation und schlägt sich dann zwar nicht überragend, aber doch sehr viel wackerer, als er je erwartet hätte. Zudem entdeckt er sogar seine Spezialfähigkeit, nämlich Pläne entwickeln zu können, die so abstrus und idiotisch sind, daß sie die überragenden Logiker auf der Gegenseite trotz all ihrer hochüberlegenen Intelligenz nicht vorhersehen können. Er ist eben ein echter realistischer Durchschnittsheld wie du und ich. Ausgewählt nicht durch geheimnisvolle edle Geburt oder Jahrhunderte alte Prophezeiung, sondern durch Zufall. Das mag ich.

3. Was hat Sie gereizt, neben kurzen Kolumnen einen längeren Roman zu schreiben?

Ein Roman gibt mir selbstverständlich viel mehr Raum für größere Bögen. Den muss man allerdings auch füllen. Meine beiden bisherigen Romane habe ich auf mehreren Ebenen erzählt. Es gibt die vordergründige Geschichte (den Spannungskrimi, bzw. die abgefahrene und lustige Zukunftsgeschichte), die Metaebene (die Machtstrukturen in Grossstädten unter starker ironischer Brechung, bzw. die ewigen Fragen der Menschheit analysiert von "Außenstehenden") und die Ebene einer noch viel größeren, gewaltigen Geschichte, die hinter dieser erzählten Geschichte lauert. Der Sound des Erzählten sollte allerdings die spielerische Leichtigkeit der kurzen Geschichten behalten.Das zumindest ist mein Ansatz.

4. Was erwartet die Festivalbesucher bei Ihrem Auftritt in Prüm am Mittwoch, 11. Mai?

Eine Mischung aus Romanlesung und kurzen, womöglich auch aktuellen Geschichten. Ganz genau entscheide ich das immer kurz vorher. manchmal auch erst während der Lesung selbst.