Von April bis Oktober 2016

Ruhe heißt, im Augenblick zu sein. Nachbericht zu Pater Anselm Grün (16.10.14 Wittlich)

17.10.2014

Ruhe heißt, im Augenblick zu sein
Pater Anselm Grün zeigt 1500 Besuchern des Eifel-Literatur-Festivals  Wege zur inneren Ruhe auf

Mit einem Thema, das viele Menschen in der heutigen Zeit bewegt, hat Pater Anselm Grün für einen erneuten Besucherrekord beim Eifel-Literatur-Festival gesorgt. Im ausverkauften Eventum Wittlich sprach er vor 1500 Gästen über Wege zur inneren Ruhe. Wie schon sein Auftritt zur Eröffnung des Festivals bewegte auch dieser mit seiner spirituellen Kraft.

Anselm GrünWittlich. Es ist die vorletzte Veranstaltung des 11. Eifel-Literatur-Festivals und wieder eine, die im Nu ausverkauft war. Rund 1500 Menschen sind aus Nordrhein –Westfalen, dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Luxemburg, Belgien und Frankreich nach Wittlich gekommen, um Pater Anselm Grün zu hören. Ebenso viele waren es schon, als der Pater zur Eröffnung des Festivals im April in Wittlich zu Gast war. „Damit hat er mehr Leute aktiviert, als BAP und die Höhner zusammen bei ihren Frühjahrsgastspielen in der Eifel“, bilanziert Festivalleiter Dr. Josef Zierden.

Dass nun ausgerechnet ein Mann solche Rekorde aufstellt, für den keine gigantische Marketing-Maschinerie anspringt, um das Image des Literatur-Superstars zu verkaufen, erklärt sich, wenn man ihm begegnet. Ganz schlicht in die schwarze Kutte des Benediktinerordens gehüllt verströmt Pater Anselm Grün eine Aura von Güte, Spiritualität und Weisheit. Sie ist schon zu spüren, als er - bereits lange bevor alle Gäste in der Halle eingetroffen sind - am Signiertisch sitzt und jedem ein freundliches Wort und ein warmes Lächeln schenkt. Er vermittelt den Eindruck, dass er sich nicht über die Menschen stellt, sondern ihre Nähe sucht und Interesse an ihnen hat. Das ist anziehend, vor allem aber eine entscheidende Grundlage dafür, dass er als spiritueller Begleiter und Autor stets den Kern dessen berührt, was Menschen wirklich elementar beschäftigt.

Als er an diesem Abend ans Rednerpult geht, ist sein Thema die Suche nach innerer Ruhe. Wir lebten heute in unruhigen Zeiten, stellt der Pater fest. Von der Wirtschaft vorgegebene Maximen wie Mobilität, ständige Erreichbarkeit und der Zwang, immer schneller alles neu zu machen, hätten sich auf uns Menschen ausgedehnt. Wir erlebten Zeit als etwas, das uns auffrisst. Viele hätten deshalb die Sehnsucht nach Ruhe, einer angenehm, einfach durchs „da und bei sich selbst Sein“ angefüllten Zeit. Doch diese Ruhe zu finden, falle oft schwer. „Ich höre oft, dass Menschen Panik bekommen, wenn sie allein sind oder schweigen müssen, dass sie Stille nicht aushalten können“, erzählt Anselm Grün aus seinen Erfahrungen. Die Ursache dafür seien Ängste, vor dem, was hochkommt. „Da ist jemand vielleicht nicht ausgesöhnt mit seinem Leben, hat das Gefühl, dass etwas darin nicht stimmt oder unerledigt ist“, analysiert der Pater. Ein solcher Mensch sei immer auf der Flucht, habe oft den Drang, ständig etwas an sich ändern zu wollen. „Wer aber immer anders werden will und muss, wird immer zweite Wahl werden“. Im Sinne des christlichen Begriffs „Verwandlung“ sei das Ziel jedoch, ich selbst zu werden. „Das bedeutet, alles, was ist, darf sein. Erst wenn wir uns selbst annehmen, den Mut haben, die eigene Wirklichkeit anzuschauen, kommen wir zur Ruhe“.

Sich annehmen heiße, Verdrängtes wie Gefühle oder Chaos, ja selbst die Unruhe zuzulassen und auszuhalten. Wichtig sei, sich frei von Bewertungen und überzogenen Ansprüchen an sich selbst zu machen, sich auch nicht mit anderen zu vergleichen. Gottvertrauen tue ein Übriges, um sich selbst näher zu kommen.

Immer wieder nutzt der Pater biblische Beispiele, um den Weg zur Verwandlung und inneren Ruhe zu illustrieren. Ein entscheidendes davon ist die Sabbatruhe Gottes. „Die Voraussetzung für diese Ruhe ist, dass Gott sieht, dass das, was er geschaffen hat, schön ist“, sagt der Pater. Das Wort schön komme von schauen. „Was liebevoll angeschaut wird, ist schön, und Schönes kann heilen. Wenn ich das Schöne  in der Natur - auch in meiner eigenen - anschaue, komme ich zur Ruhe“. Auch das Gebet, das Singen und kleine Rituale führten in den inneren Raum des Einklangs mit sich selbst und Gott, über den die äußere Welt keine Macht habe.

Ein Ritual praktiziert der Pater zum Schluss seines Vortrags mit den Zuhörern. Mit über der Brust gekreuzten Armen lässt er sie symbolisch alle Gegensätze ihres Inneren umfassen und annehmen. Tatsächlich versinken die 1500 Menschen in eine tiefe Ruhe, Höhepunkt eines sehr spirituellen Abends. emma

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