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Rückblick: Professor Hans Küng in der Eifel, in Bitburg - Kritischer Kämpfer für eine weltoffene Kirche

01.06.2012

Professor Hans Küng beim Eifel-Literatur-Festival

 

Hans Küng in Bitburg

Mit Professor Hans Küng war einer der größten und meistgelesenen Theologen unserer Zeit Gast des Eifel-Literatur-Festival. Rund 800 Besucher zeigten sich begeistert und entließen ihn mit „standing ovations“.

84 Jahre ist er alt, über 60 Werke hat er seit mehr als einem halben Jahrhundert verfasst, 15.000 Druckseiten insgesamt. Mit diesen millionenfach verbreiteten Werken hat er sich den Ruf erschrieben, ein „Reformer“, ein „Kirchenrebell“, ein „Sprachrohr moderner Christen“ zu sein. Der polarisiere, aber als Ökumeniker und als Präsident der Stiftung Weltethos um das Gemeinsame nicht nur der christlichen Religionen, sondern der Weltreligionen kämpfe.

Nach einer Einführung von Josef Zierden beherrschte der Dialog den Abend.

Über Leben und Werk und vor allem über seine beiden jüngsten Bücher „Was ich glaube“ und „Jesus“ befragte ihn Festivalorganisator Josef Zierden. Eine Kurzbilanz seines theologischen Lebens, prägende Lebensabschnitte, sein Verhältnis zu Joseph Ratzinger vom 2. Vatikanischen Konzil bis zur Papstwahl und seither: Das waren die Themenschwerpunkte des ersten Gesprächsteil. „Was ich glaube“ ist Küngs persönlichstes Buch. Lebensfreude, Lebenswege, Lebensgrund und Lebenskunst: das war der Leitfaden dieses Gesprächsteils.

Um Johannes XXIII. und John F. Kennedy als frühe Wegweise ging es, um Küngs großen Konflikt mit Rom 1979/80 (die katholische Kirche entzog ihm die Lehrbefugnis), aber auch um menschenwürdiges Sterben. Immer wieder belohnte starker Applaus seine Ausführungen, die neben ernsten Ausführungen immer auch „heitere Gelassenheit“ ausstrahlten. Beim „Jesus“-Buch ging es um die Präsentation im März 2012 mit Thomas Gottschalk, um den Vergleich mit seinem Buch „Christ sein“ des Jahres 1974 und um seine Gegenkonzeption zum Jesus-Buch von Benedikt XVI. Das Gespräch schloss mit einer kritischen Stellungnahme zur aktuellen Lage, gekennzeichnet von Priestermangel, Großpfarreien oder Missbrauchsskandalen.

Nach dem Gespräch belagerten zahllose Küngfans die Signiertheke und bekannten immer wieder, wie lebensprägend so manche Küng-Lektüre der Vergangenheit gewesen sei.

Was eine Besucherin meint, noch in der Nacht nach der Veranstaltung gemailt:

Ein ganz großes Kompliment und ein herzliches DANKESCHÖN für diesen wundervollen, hochinteressanten und spannenden Abend mit Hans Küng!!! Da hatte Müdigkeit keine Chance - ich hätte noch stundenlang diesem Dialog lauschen mögen; und anderen ging es sicher genau so. So viele strahlende Gesichter waren beim Hinausgehen zu entdecken. Pfingstliche Be-geisterung eben! Zu Hause angekommen habe ich gleich mit der Lektüre des "Jesus"-Buchs begonnen. Auch darin spricht Hans Küng mir aus der Seele.
Hans Küng und Sie, lieber Herr Dr. Zierden, haben vielen Menschen heute Abend eine große Freude bereitet, haben Hoffnung wachsen lassen und Mut gemacht. Bleibt zu hoffen, dass der Funke zündet und zu einem neuen Aufbruch führt.

Hannelore Bares, Trier 

Was ein Besucher meint - aus einem Leserbrief zur Lesung an den "Trierischen  Volksfreund" (06. Juni 2012):

Jesus hat vom Stein gesprochen, den die Bauleute verworfen, der aber zum Eckstein werden sollte. An diesen Text wurde man erinnert, wenn man Hans Küng in Bitburg erlebt hat. Seine ruhige, bescheidene, überzeugende Art fesselte die Zuhörer und in gespannter Ruhe schien jedes Wort von ihm nur so verschlungen zu werden. Zu erkennen war seine Sorge um den Zustand unserer katholischen Kirche, die sich mit nicht wenigen Dingen, die nichts mit Jesus und dem Evangelium zu tun haben, nur noch selbst schadet. So würde sich zum Beispiel die ungeliebte, eher negativ auswirkende, derzeitige Strukturreform, der unzählige, alte historische Pfarreien zum Opfer fallen, erübrigen, wenn man dem Priestermangel mit der Entsorgung des unseligen Pflichtzölibats begegnen und sich vielleicht sogar dem überfälligen Frauenpriestertum öffnen würde, was andere christliche Kirchen längst erfolgreich praktizieren. Ob man da vielleicht verkennt, dass Katholiken selbst denken, sich immer weniger noch manipulieren lassen und die Strukturreform so zum Fiasko werden könnte? Küng hat auch mehr als 60 Bücher geschrieben, die übersetzt weltweit geschätzt und gelesen werden. "Ist die Kirche noch zu retten" ist der Titel eines kürzlich erschienenen, in dem er überzeugend auf Gründe der Negativentwicklung hinzuweisen versucht. Sein früherer Freund Ratzinger bekommt jedes neue Buch und ihm hat er auch angeboten, wenn gewünscht, beratend beizustehen. Dass es in unserer Kirche brodelt, beweist zum Beispiel auch die in Österreich gebildete Pfarrerinitiative, in der sich über 400 Priester und Diakone zusammengeschlossen und zum Ungehorsam Rom gegenüber aufgerufen haben. Rom wird sich wieder mehr auf Jesus und das Evangelium besinnen müssen, wobei der große Theologe Hans Küng beratend helfen könnte.                  Josef Berens, Rommersheim

Küng-Besucher - und wo sie herkamen. Ein Dankeschön für die weiten Anreisen zum Festival!

Professor Hans Küng aus Tübingen in der Eifel zu erleben: das war Küng-Fans weite Anfahrten wert. Herkunftsorte waren, soweit ermittelbar, u.a.: Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt, München; Köln, Aachen, Mainz, Trier, Koblenz; Monschau, Bad Neuenahr-Ahrweiler, Adenau, Müllenbach, Kelberg, Mechernich, Euskirchen, Bad Münstereifel, Kall, Schleiden, Hellenthal, Blankenheim, Trierweiler, Konz, Kenn, Gusterath, Ayl, Kommen, Mühlheim, Wittlich, Manderscheid, Bausendorf, Daun, Darscheid, Dockweiler, Kirchweiler, Gerolstein, Hillesheim, Jünkerath, Prüm, Schönecken, Bitburg, Schleid-Hüttingen-Oberweis-Koosbüsch-Idenheim-Wolfsfeld, Echternacherbrück, Alsdorf, Arzfeld, Oberstadtfeld, Lahr, Welschbillig, Ohrenhofen, Kruft, Ulmen, Cochem, Landkern, Klotten, Reil, Oberthal-Gronig, Siersburg, St. Wendel. Dazu kamen Besucher aus der DG Belgiens (Büllingen, Amel, Xelkenraedt) und aus Luxemburg (Howald, Itzig, Echternach, Berburg, Bereldingen, Mamer, Capellen, Lieler). 

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