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Rückblick: Monika Maron in der Eifel, in Bitburg: Alternde Liebe und Kummer mit dem Islam

09.05.2012

Monika Maron in BitburgBITBURG. Immer wieder nickende Zustimmung, Schmunzeln, Beifall. Monika Maron, eine der wichtigsten Schriftstellerinnen der Gegenwartsliteratur, fand am Dienstag, 8. Mai 2012, im Haus Beda in Bitburg viel Anklang. Sie las aus ihrem Roman „Ach Glück“ sowie aus zwei aktuellen Essays, über Freiheit und soziale Gerechtigkeit sowie zu „Islam und Deutschland“.

Monika Maron begann mit den Anfangskapiteln aus „Ach Glück“. Eine Frau im Flugzeug auf dem Weg nach Mexiko, ihr zurückgelassener Mann in Berlin umherirrend. Ein Ehepaar, Mitte fünfzig, seit mehr als 30 Jahren verheiratet. Jetzt in der Krise, zumal Wende und Mauerfall ihr Leben grundlegend verändert haben. Die Frau bricht auf zu neuen Ufern, der Mann - ein Kleist-Forscher - verharrt am Ende wieder am Schreibtisch, in gewohnten Gleisen. Er fühlt sich verlassen von seiner Frau. Die innere Lebensbilanz, fein beobachtet und humorvoll wiedergegeben, erregten schmunzelnde Aufmerksamkeit.

Dann die Essays, kürzlich erst veröffentlich in „Cicero“ und in der Tageszeitung „Die Welt“. Da reflektierte Maron über den Zustand unserer Gesellschaft aus der Sicht von Jungen und Alten, dachte nach über Christian Wulff und Joachim Gauck, über Piraten und Occupy-Bewegung, über Freiheit und soziale Gerechtigkeit in unserem Land. Ihr Fazit, mit starkem Beifall der Zuhörer bedacht: „Die Neigung, das nicht Gelungene, Unvollkommene, Kritikwürdige als das Ganze zu nehmen, verstellt oft den Blick auf das, was dieses Land auch liebenswert macht und was es zu verteidigen gilt. Wir erwarten, dass Menschen, die als Fremde nach Deutschland kommen und hier erst ihren Platz finden müssen, unsere Art zu leben, unsere Werte achten. Aber wie soll das gelingen, wenn wir selber nicht schätzen, was schätzenswert ist. Dazu gehört die Freiheit, alles zu tun, was wir zur Verbesserung dieser Gesellschaft für nötig erachten.“

In ihrem Essay „Islam und Deutschland“ setzte sie sich mit der Zugehörigkeit des Islams zu Deutschland auseinander. Gehört der Islam zu Deutschland, wie Christian Wulff einmal formulierte? Also auch die Salafisten, die derzeit mit brutaler Gewalt Polizisten niederstechen? Oder gehört er nicht zu Deutschland, wie Volker Kauder dieser Tage feststellte. Ihr innigster Wunsch: dass ein Islam, der seine Aufklärung noch nicht erlebt hat und der Frauen diskriminiere, nicht zu Deutschland gehöre. Wiederum starker Beifall des Publikums.

Nach einem kurzen Gespräch mit Monika Maron ging es ans Signieren - mit vielen Gelegenheit zu Einzelgesprächen. Monika Maron hat öffentlich mehrfach eine Lanze für Thilo Sarrazin gebrochen, im „Spiegel“ ebenso wie in der Tageszeitung „Die Welt“.

Sie ermunterte Festivalorganisator Josef Zierden ausdrücklich, für das Recht auf Meinungsfreiheit zu kämpfen, gerade auch im Falle Sarrazins.

Zitiert: Monika Maron in Bitburg

Zu Mauer und Stacheldraht

„Ich konnte grundsätzlich nicht verstehen, warum Vögel über alle Grenzen fliegen, Rehe, Wildschweine und Hasen über alle Grenzen laufen durften, die Menschen aber, auch an Grenzen ohne Selbstschussanlagen und Stacheldraht, dafür Visa und Ausweise brauchten, obwohl sie doch ebenso auf die Welt geworfene Geschöpfe waren wie die  Tiere.“

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