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Rückblick: Axel Hacke & Giovanni di Lorenzo in der Eifel, in Daun

25.05.2012

Welche Werte wichtig bleiben, wenn sich alles wandelt

Hacke & di Lorenzo in Daun

DAUN. Einem förmlichen Bad von Erinnerungen setzten Axel Hacke und Giovanni di Lorenzo die 540 Besucher im Forum Daun aus.

Mit der 68er-Studentenrevolte und dem Vietnamkrieg setzte ihre Zeitreise ein: eine Zeit autoritärer  Enge und Zwänge in Familie und Schule und zugleich eine Zeit antiautoritären Aufbruchs, spürbar bis in die Schulen hinein. Stürmische Zeiten, Gärzeiten der Republik, die den Besuchern noch stark in Erinnerung waren, wie die lebhaften Publikumsreaktionen zeigten.

„Wofür stehst Du?“ Aus diesem Buch lasen, über dieses Buch sprachen der Autor und Journalist Axel Hacke und ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo an diesem Abend. Um selbstkritische Suchbewegungen ging es, die eigenen Lebenswege auslotend bei der Frage: Welche Werte sie in ihrem Leben für wichtig halten. Welche Werte ihr Leben bestimmt haben.

Die Lesung begann, nach launiger Einführung der beiden Autoren, mit kontrastierenden Auszügen aus dem ersten Kapitel „Meine Leidenschaft für Politik oder wie es kommt, dass ich mich manchmal wie ein kleines Arschloch fühle“.

Um das frühe Interesse an Politik geht es da. Um Väter und Großväter und ihr Verhältnis zur Politik. Um charismatische und wortgewaltige Politiker wie Willy Brandt oder Franz Josef Strauß. Um das autoritäre Klima im Elternhaus. Um autoritäre und alternative Lehrer in der Schule. Aus dem zweiten Kapitel „Meine Heimat in der Fremde oder Warum ich etwas dagegen hatte, dass mich ein Oberstudienrat aufhängen wollte“ las di Lorenzo, wie er eines kalten Wintermorgens in Hannover ankam wie auf einem fremden Planeten. Wie er zunehmend Heimat fand, nicht zuletzt in der deutschen Sprache. Während Hacke seine immer größere Entfremdung von seinem eigenen Land dokumentierte. Leitmotiv immer wieder: Wie sehr sich doch Deutschland in fünfzig Jahren verwandelt habe.

Im Kapitel „Meine Eroberung der Familie“ erinnerte Hacke, Jahrgang 1956,  eine Kindheit, in der man sich den größten Teil der Zeit habe unbeaufsichtigt austoben können. Ergreifend die „Geschichte mit Birgit“, die di Lorenzo, geboren 1959, beisteuerte: Wie sich eine sehr gute Freundin eine Familie mit Kindern wünschte, mehr als ihr Freund, von dem sie schwanger wurde.  Birgit suchte den Rat ihrer Freunde, die zur Abtreibung rieten. Birgit ließ abtreiben. Der Kinderwunsch wurde später nicht mehr erfüllt.

Im anschließenden Gespräch mit den Autoren, moderiert von Josef Zierden, ging es um die Politikergestalten von damals und heute. Um den politischen Pragmatismus und die Flexibilität der heute Mitte-Fünfzigjährigen als Antwort auf erlebte ideologische Unerbittlichkeit. Oder um die Haltung von Deutschen gegenüber Ausländern im Spannungsfeld von Verklärung und Gleichgültigkeit. Um Kindererziehung einst und heute.

Immer wieder gab es Beifall für die engagierten Redebeiträge der Autoren - und einen riesenstarken Schlussapplaus. Riesengroß dann wieder war die Signierschlange im Foyer, bei der Hacke und di Lorenzo geduldig Leserwünsche erfüllten. Und die 300 aktuellen Exemplare der ZEIT, an diesem Tag druchfrisch erschienen und von der ZEIT gratis im Forum ausgelegt: sie fanden reißenden Absatz bei den Festivalfans, sehr zur Freude von ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. 

Zu den Besuchern: Viele der 540 Besucher waren aus der Nordeifel angereist: aus Mechernich, Zülpich, Monschau, Schleiden, Marmagen, Blankenheim oder Düren, also aus den Landkreisen Euskirchen, Düren und aus der Städteregion Aachen. Ebenso aus Köln, Bonn, Aachen und Koblenz. Die weiteste Anreise hatten mit 400 Kilometern für eine Wegstrecke zwei Besucherinnen aus Hannover. Die outeten sich an der Abendkasse als Festivalfans, die in dieser Woche auch schon Bernhard Schlink in Wittlich besucht hatten. Festivalgenuss plus Eifelurlaub. 

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