Von April bis Oktober 2016

Mordsgaudi um Tod am bayrischen Himmel

15.10.2016

Jörg Maurer

Alpenkrimi-Autor Jörg Maurer sorgt beim Eifel-Literatur-Festival für Kurzweil und Spannung

Für eine - wie der Bayer formulieren würde - „Mordsgaudi“ hat der Garmisch-Patenkircher Krimiautor Jörg Maurer beim Eifel-Literatur-Festival in Daun gesorgt. Bei der Lesung aus seinem aktuellen Buch „Schwindelfrei ist nur der Tod“ zog er alle Register seines vielseitigen künstlerischen Talents, begeisterte als Kabarettist und Mime oder überraschte mit Zaubertricks.

Daun. Voll besetzt ist das Forum Daun, kein Wunder, ist hier im Herzen der Vulkaneifel doch der Krimi zuhause und die Fangemeinde des Genres entsprechend groß. So ist auch nur stimmig, welche Begrüßung dem heutigen Lesegast, Krimi-Bestsellerautor Jörg Maurer, zuteil wird. Erst führt ihn ausgerechnet der ehemalige Chef der Polizeiinspektion Daun ein, der heutige Landrat Heinz-Peter Thiel. Dann empfängt ihn, in Stellvertretung des erkrankten Eifel-Literatur-Festival-Leiters Dr. Josef Zierden, Buchhändlerin Sabine Rehm mit den Worten: „Sie sind hier unter Freunden und Gleichgesinnten“.

Das beflügelt den verschmitzt dreinblickenden Autor offensichtlich. Sofort macht er sich mit Verve und Temperament daran, sein Publikum in die schwindelnden Höhen Bayerns und die schwindelnden Abgründe einiger seiner Bewohner zu entführen. Denn davon handelt sein mittlerweile achter Krimi „Schwindelfrei ist nur der Tod“. Nebenbei streut er schnell noch eine kleine satirische Landeskunde mit Schuhplattler-Einlage ein oder posiert für Fotografen als wütend, engagiert oder nachdenklich Lesender. Und schon da laufen beim Publikum die ersten Lachtränen. Witz und mimisches Talent des theatererfahrenen Bayern sind einfach umwerfend.

Als er die eigentliche Lesung aufnimmt, erklärt er, dass seinem Buch ein authentischer Fall zugrunde liegt, ein Bankraub mit Geiselnahme, der sich 1971 in der Münchner Prinzregentenstraße abgespielt hat. Wie er das Geschehen im ersten Kapitel schildert, ist überaus vielschichtig und unterhaltsam. Nicht nur, dass er atmosphärisch das Zeitkolorit transportiert oder feinste kabarettistische Manier beweist, wenn er etwa süffisant das Verhalten von Gaffern am Tatort beschreibt. Er versteht sich auch auf literarische Kniffe wie Perspektivwechsel und Spannungsaufbau. Sein lebendiger Vortrag mit verschiedenen Stimmen und Dialekten tut ein Übriges, um die Aufmerksamkeit zu fesseln

Sehr sympathisch ist, dass Maurer stets Augenkontakt mit den Zuhörern hält. Sowohl die erste als auch folgende Lesepassagen bricht er immer dann ab, wenn es spannend wird oder künftigen Lesern zu viel über die Geschichte verraten werden könnte. Deshalb wird von ihrem Inhalt nur so viel deutlich, dass es neben dem Bankraub auch um einen Heißluftballon mit mysteriösen Passagieren, neue Geschäftsmodelle der italienischen Mafia und einen bayrischen Taschendieb namens Dirschbiegel geht

 Sobald sich Maurer vom Text löst, blühen den Zuschauern Überraschungen. Da kommt zum Beispiel die praktische Illustration von Dirschbiegels kriminellem Handwerk als kunstvoller Zaubertrick daher. Ein andermal verdeutlicht Maurer die unterschiedlichen Temperamente der verschiedenen bayrischen Dialekte in sehr speziellen Übersetzungen von Goethes „Wanderers Nachtlied“. Dann wieder bietet er eine urkomische Mischung aus Pantomime und Puppenspiel, indem er sich mittels Mantel und Hut einen „Partner“ schafft, der nach handfestem Streit plötzlich ein vorhin weggezaubertes Tuch zum Vorschein bringt.

In der dramaturgischen Gestaltung des originellen Lese-Abends zeigt sich die Handschrift eines erfahrenen Regisseurs und kreativen Allroundkünstlers mit ausgeprägt kabarettistischer Ader. Den Zuschauern gefällt das ausnehmend gut, sie lachen herzhaft und spenden tosenden Applaus. Erst nach mehreren Zugaben, unter anderem Schmankerln aus Maurers ebenfalls aktuellem Band „Bayern für die Hosentasche“ lassen sie den humorvollen Autor von der Bühne – zur Sicherung seiner etwaigen Rückkehr zum Eifel-Literatur-Festival allerdings ohne das von ihm kurz angedachte Stage-Diving. Anke Emmerling

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