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Dieter "Max" Moor in Prüm: Menschelei mit viel Humor

26.04.2014

Dieter "Max" Moor begeistert 700 Zuschauer beim Eifel-Literatur-Festival in Prüm

Ein kurzweiliger und humorvoller Leseabend mit Dieter "Max" Moor vor ausverkauftem Haus in Prüm hat die dort begonnene zwanzigjährige Erfolgsgeschichte des Eifel-Literatur-Festivals fortgeschrieben. Der als Fernsehmoderator bekannte Autor traf mit Geschichten aus seiner Wahlheimat Brandenburg die Herzen der 700 Zuschauer und sorgte mit großem mimischem Talent für Vergnügen.

Prüm. Dieter "Max" Moors Auftritt als zweiter Gast des kürzlich mit Anselm Grün und einem Besucherrekord eröffneten 11. Eifel-Literatur-Festivals ist eine „Wiederholungstat“. Bereits beim Festival 2012 war er dabei, damals unter seinem angestammten Vornamen Dieter und seinem Bestseller-Erstling „Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht“. Außer seinem Namen habe sich seither nichts geändert, scherzt der unter anderem als Moderator des Fernsehmagazins „Titel, Thesen, Temperamente“ bekannte Autor. Literatur sei das, was er mitbringe, immer noch nicht. Die hemdsärmelige Selbstironie des gebürtigen Schweizers mit dem kantigen Charaktergesicht  kommt genauso gut an, wie seine etwas kokette Freude, einen ausverkauften Saal mit 700 Fans vor sich zu sehen: „Ich hatte mir schon große Sorgen gemacht, schließlich ist draußen Sommer…“. Wer tatsächlich kurz überlegt haben sollte, draußen womöglich Frischeres vorfinden zu können, als in der Aula der ehemaligen Waldalbert-Hauptschule in Prüm, wird schnell eines Besseren belehrt. Und das liegt nicht am Untertitel „Frisches aus der arschlochfreien Zone, den Moor seinem neuem Buch „Lieber einmal mehr, als mehrmals weniger“ gegeben hat.

Es liegt vielmehr an der abwechslungsreichen Mischung aus rundum schönen Geschichten – darunter übrigens keine aus dem neuen Buch - und ungeheuer lebendigem Vortragsstil. Moor präsentiert sich dabei als begnadeter Schauspieler. Am Anfang trägt er die Nervosität eines Jungen zur Schau, der durch die umgebende Schul-Atmosphäre eingeschüchtert ist. Das passt trefflich zur Schilderung einer persönlichen Kindheitserinnerung. Als „kleiner Dieter“ durfte er seinen Großvater in dessen Refugium, einen Hühnerhof begleiten, und die beiden erzählten dann abwechselnd dem Federvieh, was sie bewegte. Schon in dieser Anekdote mit leicht philosophischer Note äußert sich Moors hohe Wertschätzung für das Landleben. Seit rund zehn Jahren pflegt er es selbst, als Biobauer in Brandenburg. Was er dort erlebt, ist Kern weiterer Geschichten, die vor allem eins sind, eine augenzwinkernde Liebeserklärung an Land und Leute.

Ob er erzählt, wie die burschikose Hebamme Alma nachts barfuß und im Morgenmantel durchs Dorf eilt, um Wirtin Babuschkas „Köter“ das Leben zu retten, oder ob er berichtet, was ihm seine Nachbarn Teddy, Krüpki und Bauer Müsebeck zum Bau einer Terrasse und zum Umgang mit der Ehefrau raten, immer menschelt es. Moor wirft einen warmherzigen, identitätsstiftenden Blick auf die kleinen Schrullen der Leute und die Zwischentöne ihrer Beziehungen. Dabei gelingen ihm äußerst plastische Charakterisierungen. Sein Vortrag wirkt intensiv wie ein Hörspiel oder ein Theaterstück, regt dank eines großen Instrumentariums an Ausdrucksmöglichkeiten die bildliche Vorstellungskraft an.  Er lässt seine sonore Stimme anschwellen oder in Dialekt verfallen, Mimik und Hände sprechen oder gar den ganzen Körper pantomimischen Einsatz fahren. Das Publikum hat viel zu lachen, auch wenn sich der Autor selbst auf die Schippe nimmt. Da kommt es zu einer Glanznummer, als beschreibt, wie er im Werben um eine attraktive Frau als Nichttänzer einem „Tanzparkett-Casanova“ unterliegt. Spätestens hier wird völlig unerheblich, ob Moors Kunst dem Begriff „Literatur“ zuzuordnen ist. Sie macht einfach Vergnügen. Josef Zierden, Initiator und Leiter des Festivals bringt es so auf den Punkt: „Moor liefert sich als Autor die Steilvorlage für sein schauspielerisches Talent“.

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Einführungsrede Dr. Josef Zierden
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